Konzept

Modellprojekt Campus Rütli – CR² in der Bildungslandschaft Reuterquartier

INTEGRATION DURCH BILDUNG

Der Norden des Bezirks Neukölln, ein bundesweit bekannter ehemaliger sozialer Brennpunkt, erlebt mit hoher Medienpräsenz eine Wandlung. Die Beschreibungen des ehemaligen Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky, seine zurückliegenden Warnungen vor dem Entstehen einer Parallelgesellschaft, sind bekannt und haben ihre Bestätigung zuletzt in der sog. ‚Häussermann-Studie’ (November 2008) gefunden. Umso bemerkenswerter ist die konstatierte beginnende Veränderung als Folge kontinuierlicher und konzertierter Arbeit vieler Beteiligter.

Schon 2005 begannen im Nord-Neuköllner Quartiersmanagement Reuterplatz Vorarbeiten für einen Lokalen Bildungsverbund. ‚Interkulturelle Moderation als Interventionsstrategie’ wurde im Herbst 2005 entwickelt und konnte im März 2006 an vier Schulen, auch an der Rütli-Schule, mit Interkulturellen Moderatoren umgesetzt werden.

Seit Mai 2007 verfolgen der Neuköllner Bezirksbürgermeister und die Stiftung Zukunft Berlin die Idee des „Campus Rütli“ als eines nach Innen und Außen bewusst und entschieden zu organisierenden und zu kommunizierenden Modellprojektes mit dem Ziel, die Arbeit nicht auf eine Auseinandersetzung mit bestehenden bedrängenden Problemen zu begrenzen, sondern die Entwicklung übertragbarer Lösungsstrategien mitzudenken. So beschlossen mit der Schirmherrin Christina Rau und dem ehemaligen Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky an der Spitze bereits im September 2007 alle im Quartier tätigen Kräfte ein erarbeitetes Konzept für das Projekt Campus Rütli – CR². Sein großes Ziel ist die beispielhafte Verwirklichung eines neuartigen und nachhaltigen Bildungskonzeptes mit Schaffung eines gemeinsamen Sozialraumes. Die Heinrich-Heine-Realschule, die Rütli-Hauptschule und die Franz-Schubert-Grundschule, seit Beginn des Schuljahres 2008/09 zusammengeschlossen zur Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli, die zwei Kindertagesstätten und der Kinder- und Jugendclub an der Rütlistraße wachsen seither zu einem Campus Rütli unter einer gemeinsamen Verantwortung zusammen, der durch weitere Module ergänzt wird und begonnen hat, eine eigene Struktur zu entwickeln. Inhaltlich unterstützt von der Pädagogischen Werkstatt Ein Quadratkilometer Bildung und der Freudenberg Stiftung lässt Campus Rütli – CR² einen sozialen Erlebnisraum entstehen, der in seinen Modulen einheitliche Bildungsbiographien von der Kindertagesstätte bis zum Eintritt in die Berufsausbildung ermöglicht, alle schulischen Abschlüsse bietet, auch den der gymnasialen Oberstufe, das Abitur. Eltern und Wohnumfeld werden einbezogen.

Campus Rütli bedeutet, dass erstmals alle Institutionen der Versorgung, Erziehung und Bildung junger Menschen gebündelt in gemeinsamer Verantwortung zusammenwirken. Aufeinander abgestimmtes Handeln der unterschiedlichen Professionen schafft ein Höchstmaß an Unterstützung für Eltern, Kinder und Jugendliche, die eingeladen sind, diesen Prozess mit zu gestalten. Kinder aus dem Einzugsgebiet, die zu annähernd 90 % aus Familien mit Migrationshintergrund kommen, finden hier unter Einbeziehung ihrer Eltern optimale Förderung. Kulturelle Vielfalt und Mehrsprachigkeit werden als Chance begriffen und entwickelt.
Durch den praktizierten Ausgleich von Chancendefiziten vieler Kinder gewinnen die Bildungseinrichtungen neue Attraktivität auch bei bildungsorientierten Eltern, sodass der lange beobachteten Segregation über den Standortfaktor Bildungseinrichtungen eine Gegenbewegung zu entstehen beginnt.

Direkt vor Ort helfen alle in der Gemeinschaftsschule, den Kindertagesstätten, den Freizeiteinrichtungen, der Pädagogischen Werkstatt, der Volkshochschule, der Musikschule, dem Kinder- und Jugendgesundheitsdienst und dem Sozialpädagogischen Dienst engagiert Tätigen mit, die Vision des Campus Rütli – CR² Wirklichkeit werden zu lassen. Ihre Arbeit wird bei zuverlässiger, beständiger Unterstützung der Initiatoren des Projektes, der Stiftung Zukunft Berlin und des Bezirksamtes Neukölln, aber auch der Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Bildung, Wissenschaft und Forschung, zu dem erwarteten Erfolg führen, den Medien mit Titeln wie „Exzellenzinitiative“, „Avantgarde“ oder „Das Wunder von Neukölln“ vorwegnehmen und begünstigen.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung haben das Modellprojekt als zukunftsweisend bewertet und ihr Engagement für das Gelingen wiederholt betont, nachdem Senatorin Junge-Reyer und Senator Zöllner mit Frau Rau, Herrn Buschkowsky und Herrn Schimmang, Bezirksstadtrat für Bildung, Schule, Kultur und Sport, im Januar 2008 das Projekt Campus Rütli – CR² der Öffentlichkeit vorgestellt haben.

Der Prozess des inneren Zusammenwachsens der Module des Projektes schreitet fort, die vielen Komponenten fügen sich schrittweise zu einem Ganzen zusammen, eine Struktur mit dem Ziel einer einheitlichen Campus-Leitung wird entwickelt. Die äußere Planung des Gesamtprojektes ist so weit abgeschlossen, dass der Bau der Quartiershalle vorbereitet wird, ebenso die Ausschreibung eines Realisierungswettbewerbs für die fehlenden Baukörper zur Schulerweiterung und Campusvollendung.

Campus Rütli – CR² erfreut sich großer medialer Aufmerksamkeit. Das Projekt gilt als modellhaft, ist zwar (noch) ein Einzelprojekt, aber auch Teil der Bildungslandschaft Reuterquartier, vielleicht ein Leuchtturm, aber keine Singularität, sondern breit abgestützt im Quartier, in manchen Bereichen neue Entwicklungen antizipierend. Die Akteure haben das sichere Vertrauen, dass im Kraftfeld der vielfachen Vernetzung und des ganzheitlichen Bildungs- und Sozialisationsansatzes ein Lebensraum entstehen wird, in dem Integration durch Bildung gelingt und vorhandene Potenziale erschlossen werden. In dieser Wechselwirkung liegt die Basis für ein selbstbestimmtes Leben eines jeden Einzelnen der nachwachsenden Generation, dem auf diese Weise individueller sozialer Aufstieg ebenso ermöglicht wird wie aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Behauptete Lernresistenz chancendefizitärer Schüler/innen ist durch bewiesene Motivierbarkeit widerlegt. Nach nur zwei Jahren zeigen sich die Erfolge der praktizierten Anerkennungs-, Wertschätzungs- und Willkommenskultur. Es gilt, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen: Mehrsprachigkeit als Chance zu begreifen, musische Bildung intensiv zu pflegen und nicht zuletzt dadurch vorhandene Potenziale zu entdecken, zu fördern und zu entwickeln. Der Beweis ist erbracht: Es geht! – Umso dringender wird die zügige bauliche Vollendung des Modellprojekts Campus Rütli – CR² erwartet.

Campus Rütli – CR² hat bereits jetzt seinen Anteil, die Wahrnehmung Neuköllns positiv zu verändern: Fachbesucher von Hochschulen, der Politik, aus Bildungsverwaltungen und Planungsabteilungen in Ballungsräumen des Inlands und europäischer Nachbarländer lassen sich vor Ort über das Konzept und die Fortschritte seiner Realisierung informieren.
Der Problembezirk Neukölln bietet im Modell Campus Rütli – CR² den Ansatz einer Erfolg versprechenden Lösung – der Modellbezirk Neukölln wird zunehmend als attraktiver Ort moderner Heterogenität wahrgenommen.


weiterführende Materialien:

Konzept des Campus Rütli – CR² (Broschüre, 5.3 MB)