Besuch aus Israel am Campus Rütli

Ruetli-Schulleiter-Israel_2019-04

Dass sich 18 israelische Schulleiter*innen aus arabischen und jüdischen Schulen zusammenfinden, ist an sich schon etwas Besonderes. Dass sie Deutschland besuchen, ist keineswegs selbstverständlich. Wenn sie darüber hinaus in einer  Gemeinschaftsschule in Neukölln danach fragen, in welcher Weise Berliner Schulen gegen Antisemitismus und Rassismus arbeiten, welche Maßnahmen erfolgreich sind und in welchen Bereichen Lehrkräfte an ihre Grenzen stoßen, dann birgt das Gesprächsstoff für mehr als einen Besuch.

Anfang April 2019 tauschten sich Schülerinnen und Schüler der neunten und zwölften Jahrgangsstufe der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli und ihre Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Gästen darüber aus. Vor dem Hintergrund der deutschen und israelischen Migrationsgesellschaft wurden Fragen der Identität und Zugehörigkeit diskutiert. Unsere Gäste interessierten sich dafür, wie Lehrer*innen hier im Kiez arbeiteten, was den Schüler*innen Herkunft bedeutet und wie mit unterschiedlichen Ansichten umgegangen wird.

Die Schul- und Campusleiterin, Cordula Heckmann, setzte die pädagogische Arbeit am Campus Rütli in den Kontext des Berliner Schulsystems und der allgemeinen bildungspolitischen Bemühungen, Gesprächsbereitschaft und Verständnis zwischen unterschiedlich geprägten Gruppen einer Gesellschaft zu schaffen und aufrecht zu erhalten. Dass Identität und Prägung, die Frage nach den eigenen religiösen Wurzeln inmitten einer Vielfalt anderer Angebote bedeutend ist, zeigt sich im schulischen  Alltag immer wieder. In unseren Sekundarstufen haben wir einen Rahmen geschaffen, sich damit kritisch und sachlich auseinander zu setzen: In Kursen, die sich mit Glauben und Zweifeln beschäftigen und mit Fragen nach dem Zusammenhang zwischen Politik und den unterschiedlichen Traditionen im Nahen Osten.

Der hier begonnene Austausch wird in kleinerer Runde im Juni in Tel Aviv fortgeführt, wenn Schüler*innen der Politik-AG sich auf eine achttägige Studienreise nach Israel begeben und sich mit den Schüler*innen unserer Gäste treffen werden. Zusammenfassend schlussfolgerte eine Schülerin: „Wir haben uns verstanden, obwohl wir alle andere Meinungen hatten.“